Inhalte der Fortbildungsreihen

Die Fortbildungsreihe umfasst in ihrer Standardversion vier Module à 2 Tage, kann davon aber auch abweichen (z.B. 2x2 oder 3x3 Tage). Diese beinhalten Methoden der Erwachsenenbildung und der geschlechterreflektierten Pädagogik, Reflexion und Arbeit an der professionellen Haltung, Entwicklung einer spezifischen Didaktik und Methodik, kollegiale Beratung und Hausaufgaben zur Vertiefung der Modulinhalte. Jeder Block enthält zudem eine Literaturvorstellung der jeweils relevanten Literatur.

Ab dem 2. Modul entwickeln die Teilnehmenden mit Unterstützung der Kursleiter_innen Praxisprojekte, denen ein zentraler Stellenwert in der Fortbildungsreihe zukommt. Zum einen erreichen die Inhalte der Fortbildung auf diesem Wege die Kinder und Jugendlichen (und ggf. deren Eltern), mit denen die Teilnehmenden arbeiten. Zum anderen zeigen sich in Praxisprojekten immer Potenziale und Grenzen, Fragen und (Teil-)Antworten in Bezug auf Fortbildungsinhalte. Die Praxisprojekte können klein sein, sind für die Teilnehmenden jedoch verbindlich. Die konkrete Ausgestaltung liegt bei den Pädagog_innen, die am besten einschätzen können, was „ihre“ Kinder und Jugendlichen beschäftigt, wie stark sie von neonazistischen Vorstellungen beeinflusst bzw. in rechte Lebenswelten eingebunden sind, was sie ansprechen bzw. was Widerstände hervorrufen könnte. Die Projektarbeiten werden in Form von Praxisberatungen begleitet, jede_r Fortbildungsteilnehmer_in hat einen Praxisberatungstag zur Verfügung.

 

Inhaltliche Schwerpunkte der Fortbildungsreihen sind:

  • Neonazistische Jugendarbeit und Anwerbestrategien durch rechten Lifestyle, Jugendkulturen, Musik, Social Media, Kleidung, Symbole und Erlebniswelten
  • Strukturen der neonazistischen Szene unter besonderer Berücksichtigung lokaler Gegebenheiten (Organisationen, Strategien, Erscheinungsformen und Schnittstellen)
  • Bedeutung und Funktion von Weiblichkeit und Männlichkeit im Neonazismus, vergeschlechtlichte Einstellungs- und Handlungsmuster
  • Methoden und Ansätze geschlechterreflektierter Arbeit mit Jungen und Mädchen
  • Geschlechterreflektierte Prävention gegen Neonazismus
  • Selbstreflexion und Entwicklung einer professionellen Haltung bezüglich neonazistischer Einstellungen und eigener Geschlechtlichkeit

Die Fortbildungsinhalte setzen an den Erfahrungen, Interessen und konkreten Bedürfnissen der Teilnehmenden an, alle Themenfelder werden mit Blick auf den Transfer in die jeweilige pädagogische Praxis der Teilnehmer_innen entwickelt. Die folgenden Modulbeschreibungen sind lediglich als grobe Orientierung zu verstehen. Der konkrete Ablauf wird unter Umständen stark davon abweichen, da wir auf individuelle Teilnehmenden- wie Gruppenbedürfnisse eingehen werden.

 

I. Modul (Schwerpunkt: Neonazismus, Geschlechterverhältnisse)

Im ersten Modul wird zu Beginn der vierteiligen Reihe viel Wert auf ein Kennenlernen und den Austausch von Erwartungen gelegt. In Kleingruppen werden Grundverständnisse von Neonazismus geklärt. Gleiches geschieht zum Thema Geschlecht. Eine Beobachtungsaufgabe wird für die Vorbereitung des nächsten Blocks mitgegeben, beispielsweise die Dynamiken der Kinder- oder Jugendgruppe in der eigenen Einrichtung unter Berücksichtigung des „Gehörten/Erarbeiteten“ zu beobachten.

 

II. Modul (Schwerpunkt: Schnittstellen von Neonazismus und Geschlecht)

Verknüpfung zum I. Modul - Was ist in der Zwischenzeit passiert? In diesem Block werden die beiden Hauptthemenpfeiler weiter in Form von Inputs, Diskussion und Arbeitsgruppen unter der Überschrift Schnittstellen von Neonazismus und Geschlecht (Bedeutung und Funktion von Männlichkeit/Weiblichkeit in neonazistischen Einstellungen, Motivlagen und Praxen) bearbeitet. Wissen zu Hinwendungsprozessen, Jugendkulturen, Lifestyle, Musik, Internet & Social Media und die Differenzierung von Ausdrucksweisen, Organisierungsgrad und Ideologiedichte neonazistischer Orientierung wird vertieft. Zudem werden Grundlagen der Prävention und Intervention gegen Neonazismus erarbeitet und mit geschlechterreflektierter Pädagogik verknüpft. Ein mögliches Praxisprojekt wird erarbeitet, das als Hausaufgabe weiter entwickelt werden soll.

 

III. Modul (Schwerpunkt: Prävention)

Verknüpfung zu den vorherigen Blöcken - Was ist in der Zwischenzeit passiert? Diskussion und Arbeit zu geschlechterreflektierter Neonazismus-Prävention, Bedingungen pädagogischen Handelns gegen Neonazismus, unterschiedliche Bedingungen und Möglichkeiten je nach Kontext Freizeit/Arbeit/Schule. Unterschiedliche Attraktivitäten rechter Angebote für Jungen und Mädchen – Wo kann Prävention ansetzen? Vertiefungsthemen je nach Interesse, beispielsweise Frauen in der Neonazi-Szene, „Todesstrafe für Kinderschänder“, Argumentationstrainings, Elternarbeit, Einstellungsmuster etc. Zudem findet eine kollegiale Fallberatung anhand konkreter Fragestellungen und Situationen aus dem Arbeitsalltag der Teilnehmenden statt und es wird an den Praxisprojekten weitergearbeitet.

 

IV. Modul (Schwerpunkt: Vertiefung)

Verknüpfung mit den vorherigen Blöcken - Was ist in der Zwischenzeit passiert? Vorstellungen aus den Praxisprojekten und Weiterentwicklung, kollegiale Beratungen, Vertiefung verschiedener Themen anhand der Fragestellungen aus den Projektpräsentationen, Klärung noch offener Fragen, Auswertung und Ergebnissicherung, Abschied.

 

Zuletzt aktualisiert am 17.06.2016